“So kann man Armut nicht beseitigen”. Prekäre Beschäftigung im Zentrum der Diskussionen zwischen IUL und Coca-Cola in Atlanta

Am 16. April fand das erste Treffen der Lenkungsgruppe der Coca-Cola-Allianz, gemeinsam mit der IUL/Coca-Cola-Kontaktgruppe, in Atlanta (USA) statt.

Alle Delegierten nahmen am folgenden Tag am Treffen mit dem leitenden Management von Coca-Cola, darunter Generaldirektor Muhtar Kent und die Führungsebene des globalen Personalmanagements teil.  

Beim Treffen der Lenkungsgruppe wurde Rückschau auf die Aktivitäten im ersten Jahr der Allianz gehalten, und ein Arbeitsplan und Schwerpunkte für das nächste Jahr diskutiert. Die Teilnehmer/innen äußerten sich zufrieden mit der Arbeit rund um den "Globalen Forderungskatalog gegen Arbeitsplatzvernichtung"; "Jetzt kommte es darauf an, diesen Katalog auch Schritt für Schritt auf lokaler und nationaler Ebene umzusetzen." kommentierte Johan Botella von der deutschen Mitgliedsgewerkschaft NGG, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der CCEAG. Die Allianz wird Gewerkschaften auf allen Ebenen unterstützen, um diesen Prozess voranzubringen.

Probleme aufgrund von Forderungen der Unternehmensleitung, die Arbeitszeit weiter auszuweiten und zu flexibilisieren, wurden ebenfalls thematisiert .

Um reibungslose Kommunikation in der Allianz zu gewährleisten, hat die Lenkungsgruppe die bisherige Kommunikationsstruktur um einige wichtige Vorschläge ergänzt, um die Informationsfluss and die Mitglieder zur Entwicklung und aktuellen Fragen der Allianz weiter zu verbessern.

Auch einige regionale Entwicklungen wurden vorgestellt, z.B. der Beitrag der Allianz zur Vernetzung von Coca-Cola-Gewerkschaften in Afrika und den Maghreb-Ländern durch regionale Treffen und Nachfolgeaktivitäten.

Die Entwicklung von FELATRAC, der Latein-Amerikatischen Föderation von Coca-Cola-Gewerschaften, wurde ebenfalls sehr positiv aufgenommen. Seit FELATRAC im letzten Frühling gegründet wurde, hat die Föderation dazu beigetragen, Gewerkschaften in verschiedenen Ländern der Region zu konsolidieren und ihre Basis in Betrieben und auf nationaler Ebene zu stärken. Auch bei der Herstellung von Kontakten auf lateinamerikanischer Ebene mit dem grössten Bottler in der Region, FEMSA, gibt es Fortschritte. 

FELATRAC und FEMSA werden auch als die geeigneten Organisationen angesehen,  um Nachfolgeaktivitäten zum IAO-Bericht über Arbeitsbeziehungen bei Coca-Cola in Kolumbien zu diskutieren (siehe den IAO-Bericht hier auf Englisch). Diese sollten vor allem die Frage der sogenannten "solidarismo-" oder "gelben" Strukturen von Arbeitnehmervertretungen behandeln, sowie die Reduzierung prekärer Beschäftigung in FEMSA-Tochterunternehmen in ganz Lateinamerika. 

Prekäre Beschäftigung beinträchtigt nicht nur Arbeitsbedingungen und Beschäftigungssicherheit, sondern sie stellt auch eine ernsthafte Bedrohung der Vereinigungsfreiheit der Arbeitnehmer/innen dar, wie die IAO feststellt. 

Die Lenkungsgruppe  erneuerte das Mandat der Coca-Cola-Kontakt-Gruppe, die regelmässigen halbjährlichen Treffen mit der Unternehmensleitung fortzusetzen, und beschloss, das Team, das die Globalen Arbeitsbeziehungen im Coca-Cola-System ausbauen soll,  nach Möglichkeit um zwei Mitglieder aus Russland und Afrika zu erweitern. 

Die Diskussion um prekäre Beschäftigung bildete zusammen mit einigen länder- und regionenspezifischen Fragen von Arbeitnehmerrechten, auch den Kern der Diskussionen mit der Coca-Cola-Unternehmensleitung.

Wie beim letzten Treffen (Bericht auf Englisch) beschlossen, konzentrierte sich die Diskussion dieses Mal auf Indien. Der Regionalsekretär für die IUL-Region Asien/Pazifik, Ma Wei Pin, betonte, dass die früher präsentierten Recherche-Ergebnisse zur immensen Zahl prekärer Beschäftigter bei Coca-Cola in Indien durch neue Informationen bestätigt worden seien, und sprach über die miserablen Lebensbedinungen dieser Beschäftigten. "Indem Coca-Cola in Indien seinen Arbeitern ein Einkommen zahlt, das nahe oder unter der Armutsgrenze liegt, trägt Coca-Cola nicht nur nicht zur Beseitigung der Armut bei, sondern trägt im Gegenteil dazu bei, diese Geschichte der Armut auch noch auf die Kinder dieser Arbeiter auszuweiten", sagte er. 

Nick Wall von Coca-Cola's "Bottling Investment Group", der die Position des Unternehmens zur Frage präsentierte, erklärte, das Unternehmen beschäftige ca. 7500 prekär Beschäftigte in Indien. Eine zweistellige Zahl sei in den letzten Monaten in feste Anstellungen übernommen worden, und im Zuge wachsender Automatisierung werde Coca-Cola Indien fortfahren, mehr reguläre Beschäftigte anzustellen (wobei jedoch mehr prekäre Jobs vernichtet würden als reguläre geschaffen). 

IUL-Generalsekretär Ron Oswald erklärte, das Beispiel Indien zeige einmal mehr, dass die Welt der prekären Beschäftigung eine düstere Welt der Ausbeutung ist.

Er begrüsste, dass das Unternehmen das Problem nicht abstreite, und schlug eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus IUL und ihren Mitgliedsgewerkschaften einerseits, Coca-Cola und dessen indischem Management andererseits vor, die Wege diskutieren solle, prekäre Beschäftigung in Indien erheblich zu reduzieren.  

Der Generaldirektor der Coca-Cola Company, Muhtar Kent, war bei einem Teil des Treffens anwesend. Er betonte, dass Coca-Cola angesichts der globalen Wirtschaftskrise entschlossen sei, weiter in das Unternehmen zu investieren, aber ebenfalls die Kosten reduzieren wolle. Die Krise stelle eine Gelegenheit dar, und das Unternehmen bereite sich auf neue Perspektiven am Ende des Tunnels vor.

Die Delegierten sprachen eine Reihe von Fragen bezüglich der Strategie des Unternehmens in bestimmten Märkten, der Distributionssysteme, und möglicher Umstrukturierungen von Bottlern an. 

Zum Abschluss der Diskussion betonte Kent, dass die globale Beziehung zu den Gewerkschaften im Unternehmen positiv betrachtet werde.  

Bezüglich der länderspezifischen Fragen, wurden bei diesem Treffen wesentliche Fortschritte in Pakistan festgestellt. Eine Reihe von neuen Fragen bezüglich anderer Länder wurden ebenfalls angesprochen, die in den nächsten Wochen von den beteiligten Seiten weiter bearbeitet werden.

Allgemeine Diskussionsgegenstände waren die sogenannten "Globalen Arbeitsrechte-Audits", der Einfluss hoher Konzentratpreise auf die Geschäftsergebnisse der Bottler, und die Notwendigkeit eines konsolidierten Diskussionsforums auf Europäischer Ebene zwischen Gewerkschaften und dem Coca-Cola-System, um Kommunikationsprobleme in diesem sehr komplexen Managementsystem zu überwinden. 

Das nächte IUL/Coca-Cola-Trefffen wird im November 2009 stattfinden und sich auf prekäre Beschäftigung, sowie Verhandlungen über ein IUL/Coca-Cola- Rahmenabkommen zu Gewerkschaftlichen Rechten und gewerkschaftlicher Anerkennung konzentrieren.

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