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Nespressionen in Lateinamerika: Kampf für Gewerkschaftsrechte in Argentinien und Ecuador

Als ein Labortechniker im Nestlé-Wasserabfüllbetrieb in der Provinz Buenos Aires beschloss, der Gewerkschaft beizutreten, beschloss die Unternehmensleitung mit Blick auf andere Labormitarbeiter, die ihm möglicherweise folgen könnten, ein Exempel zu statuieren, und entließ ihn. Das geschah am Freitag, dem 31. Juli. Nachdem Bemühungen der Gewerkschaft, mit dem Unternehmen zu verhandeln, fehlgeschlagen waren, legte die gesamte Belegschaft am Montag die Arbeit nieder und den Betrieb für fast zwei volle Tage lahm.

Nespressionen in Argentinien: Der Gewerkschaft beitreten? Das heisst Entlassung!

Am Dienstag, dem 4. August, willigte die Unternehmensleitung bei einem vom Arbeitsministerium arrangierten Treffen mit der Gewerkschaft - dem Argentinischen Verband der Mineralwasserarbeitnehmer (FATAGA) - ein, den entlassenen Arbeitnehmer wiedereinzustellen und sein Recht auf Beitritt zur Gewerkschaft anzuerkennen. Um 21.00 Uhr am gleichen Abend kehrten die Arbeitnehmer wieder in den Betrieb zurück.

Nestlé glaubt, es habe das Recht zu entscheiden, wer der Gewerkschaft beitreten könne und wer nicht.

Für die Arbeitnehmer des Abfüllbetriebs Eco de los Andes gilt der vom FATAGA ausgehandelte Tarifvertrag. Nestlé hat jedoch stets behauptet, der Tarifvertrag gelte nicht für Labortechniker, während FATAGA die gegenteilige Ansicht vertritt. Solange es im Labor keine Gewerkschaftsmitglieder gab, gab es wegen dieser unterschiedlichen Auffassungen kein Problem, als aber ein Techniker der Gewerkschaft beizutreten beschloss, behauptete Nestlé, er habe hierzu kein Recht, und als das nichts half, wurde er entlassen.

Nespressionen könnten für das Unternehmen in Argentinien nach hinten losgehen, da die Arbeiter hier erlebt haben, was eine starke, kämpferische Gewerkschaft für sie tun kann!

Nespressionen in Ecuador: Umgehung der Gewerkschaft und Überwachung der Arbeitnehmer

In der Keksfabrik Nestlé Surindo in der Stadt Guayaquil wurde im September 2008 eine Gewerkschaft gegründet, nachdem entsprechend dem ecuadorianischen Recht 50% der Arbeitnehmer plus 1 die Mitgliedschaft beantragt hatten. Seither versucht das Unternehmen mit Hilfe von Nespressionen, Kollektivverhandlungen zu umgehen.

Jedesmal, wenn die Gewerkschaft die Unternehmensleitung zur Aufnahme von Kollektivverhandlungen auffordert, verlangt diese ein Verzeichnis der Mitglieder und legt sodann eine aufgeblähte Lohnliste vor, die auch Namen von Arbeitnehmern aus anderen Betrieben enthält, worauf sie dann ihre Behauptung stützt, dass die Gewerkschaft nicht über die vorgeschriebene Zahl von Mitgliedern verfüge. Damit "legalisiert" sie ihre Weigerung, die Gewerkschaft anzuerkennen.

Zu den Forderungen der Gewerkschaft gehören auch die Einstellung der Videoüberwachung von Produktionsarbeitnehmern und die Wiederbeschäftigung im Jahr 2008 entlassener Arbeitnehmer, von denen viele der Gewerkschaft angehörten. Erstmals unterbreitete die Gewerkschaft ihre Verhandlungsforderungen im Dezember 2008 und musste auf eine Antwort bis Juli 2009 warten, als Nestlé 17 weitere Arbeitnehmer entließ, von denen acht Gewerkschaftsmitglieder waren.

Und die Videokameras sind immer noch da.