Nespressionen in Tunesien: Schikanen und Angriffe gegen Gewerkschaftsrechte
Was passiert, wenn ein neuer Gewerkschaftsvorstand gewählt wird und der Generalsekretär ein Zusammentreffen mit der Betriebsleitung fordert, um dringende Probleme zu erörtern? Nestlé reagiert mit der unverzüglichen Versetzung des Generalsekretärs der Gewerkschaft an einen niedriger eingestuften Arbeitsplatz.
Das Unternehmen hat wirtschaftliche Schwierigkeiten - behauptet die Leitung von Nestlé Tunesien - und es gibt Hinweise auf eine mögliche Veräußerung der Speiseeisfabrik in Carthago. Die Belegschaft ist beunruhigt (2008 wurden 74 Arbeitnehmer "aus wirtschaftlichen Gründen" entlassen), doch das Unternehmen ist nicht bereit, mit der Gewerkschaft zu sprechen.
Im September wurde der Generalsekretär der Gewerkschaft von Nestlé Tunesien, Kollege Habib Ben Aifa, einen Tag nach der Bestätigung eines Treffens zwischen der Unternehmensleitung und der Gewerkschaft beim Arbeitsinspektorat aus seiner Stellung als Leiter der Aussendienstgruppe Klinische Produkte (Field Operations Manager) entfernt, die er seit mehr als 20 Jahren bekleidet hatte. Man warf ihm einen Umsatzrückgang vor - eine merkwürdige Behauptung angesichts der Tatsache, dass es in Übereinstimmung mit dem WHO-Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten, keine Umsatzvorgaben für Vertreter von Säuglingsnahrung gibt. Er wurde angewiesen, sein Dienstfahrzeug zurückzugeben, da seine neue Aufgabe nicht mit Geschäftsfahrten verbunden sei, und stattdessen aufgefordert, "ständig im Büro präsent zu sein", um Richtlinien für die Umsetzung des WHO-Kodex in Tunesien auszuarbeiten und anzuwenden!
Es ist dies nicht das erste Mal, dass Nestlé eine Arbeitsplatzumstufung vorgenommen hat, um einen engagierten und unnachgiebigen Gewerkschaftsvertreter zu marginalisieren und zu schwächen. Eko Sumaryono, der Vorsitzende der Gewerkschaft von Nestlé Panjang, wurde auf einen Posten degradiert, der ihn zwingt, allein in einem Raum unter ständiger Videoüberwachung zu arbeiten.
Und ebenso wie Eko, dem aufgrund einer willkürlichen Auslegung der einschlägigen Bestimmungen des Tarifvertrags drei Jahre lang Gewerkschaftsurlaub zur Teilnahme an IUL-Tagungen verweigert wurde, wurde auch Habib Ben Aifa Gewerkschaftsurlaub unter dem Vorwand verweigert, der entsprechende Antrag sei nicht gemäß den Bestimmungen des Landestarifvertrags für die Molkereibranche gestellt worden.
Der Bund der Lebensmittel- und Tourismusarbeitnehmer, dem die Gewerkschaft von Nestlé Tunesien angehört, hat einen heftigen Protest gegen Nestlé wegen Schikanierung des Generalsekretärs der Gewerkschaft und Verletzung von Gewerkschaftsrechten eingereicht und wird in Übereinstimmung mit seinen Mitgliedern weitere Maßnahmen erwägen.