Home

Blackstones Schwierigkeiten mit Hilton werden den Arbeitnehmern zu schaffen machen

27 January 2010 News
Druckversion

Das Private Equity Unternehmen Blackstone hat nach dem Wall Street Journal vom 29. Oktober "guten Grund, wegen Hilton nervös zu sein". Nicht nur Blackstone; denn die riesigen Fremdmittel, die das Unternehmen aufnehmen musste. um die Übernahme von Hilton auf dem Höhepunkt der Kreditblase zu finanzieren, machen jetzt den mehr als 100 000 Hilton-Arbeitnehmern in aller Welt, dem Finanzsystem insgesamt, dem US-amerikanischen Finanzministerium und damit auch den amerikanischen Steuerzahlern zu schaffen. Warum?

Im Juli 2007 kaufte Blackstone die Hilton Hotels Corporation (490 000 Zimmer weltweit) für 26 Milliarden US-Dollar und zahlte damit einen Preis, der ein Drittel über dem Kurswert der Aktien des Unternehmens lag. Blackstone und weitere mit dem Unternehmen verbundene Investoren zahlten 5,6 Milliarden US-Dollar in bar - der Rest wurde durch Kredite finanziert. Finanzanalysten, die das drohende Platzen der Kredit- und Immobilienblasen ignorierten, applaudierten diesem Geschäft, mit dem Blackstone eine sich über fünf Jahre erstreckende Serie von Hotelübernahmen krönte (siehe Private-equity buyouts in the hotel industry). Nach der Übernahme von Hilton besitzt Blackstone jetzt etwa 4 000 Hotels in 80 Ländern mit 620 000 Zimmern und ist damit, gemessen an der Zahl der Zimmer, der größte Hotelkonzern der Welt.

Aber bereits kurz nach der weitgehend durch Kredite finanzierten Hilton-Transaktion brachen die Märkte zusammen; die Belegungsquoten und Zimmerpreise erreichten einen seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenen Tiefstand und sind weiter rückläufig. Als Blackstone Hilton erwarb, lag der Bloomberg lodging index - der den Marktwert börsennotierter Hotelunternehmen wiedergibt - um 38% über dem Stand des Vorjahres. Im September 2007 erreichte er mit 300 seinen Höchststand, während er heute bei etwa 120 steht.

Damals jedoch betrachteten die Finanzmärkte die Transaktion als eine weitere clevere Übernahme. Das Geldkarussel, so schien es, würde sich ewig weiter drehen.

Im März 2004 erwarb Blackstsone die Kette Extended Stay America für nur knapp 2 Milliarden US-Dollar und übernahm gleichzeitig die Schulden dieses Unternehmens in Höhe von 1,13 Milliarden US-Dollar. Die Belegungsquoten und Nettoerträge waren zwar in den vorangegangenen zwei Jahren rückläufig, doch die Märkte "brodelten". Blackstone zahlte einen Preis, der 24% über dem Kurswert der Aktien des Unternehmens lag. Damals besaß Extended Stay, dessen Kunden vorwiegend Angestellte mit langfristigen Arbeitsverträgen waren, 475 Hotels in den USA.

Im April 2007 verkaufte Blackstone Extended Stay an den Immobilieninvestor Lightstone Group für 8 Milliarden US-Dollar.

Die Lightstone Group zahlte 1 Milliarde US-Dollar in bar und nahm für 7 Milliarden Kredite auf. Das Unternehmen hatte keinerlei Erfahrung im Hotelgewerbe, doch die Märkte brodelten noch stärker als 2004. "Dies war eine perfekte Möglichkeit für die Lightstone Group, ihr wachsendes Portfolio auf die Hotelbranche zu erweitern, und der Erwerb der Extended Stay Hotels verschafft uns mit sofortiger Wirkung eine Führungsposition am Markt für längerfristige Hotelaufenthalte", erklärte der damalige Unternehmenschef. "Diese Übernahmen entspricht unserer Strategie, Unternehmen mit großer Markenbekanntheit zu erwerben und die erforderlichen Ressourcen einzubringen, um langfristige Werte zu erschließen".

Zwei Jahre später, im Juni 2009, beantragte Extended Stay Gläubigerschutz - mit 7,1 Milliarden Firmenvermögen und 7,6 Milliarden Schulden Ende vorigen Jahres. "Extended Stay ist beträchtlich überschuldet, und die zu erwartenden Erträge reichen nicht mehr aus, um die mehr als 7 Milliarden Dollar Schulden zu bedienen", stellte der Rechtsberater des Unternehmens fest. Wie das Unternehmen es bis dahin geschafft hatte, wäre sicherlich eine höchst interessante Untersuchung.

Wem gehören die Schulden? Das wird im Konkursverfahren zu klären sein, was aber einfacher sein wird, als bei den früheren Megaübernahmen. Weil die Kreditkrise ausbrach, kurz nachdem das Geschäft abgeschlossen war, hatten die Banken keine Möglichkeit, die Schulden durch Papiere zu verbriefen, wie sie der Boom der fremdfinanzierten Übernahmen bis in die entlegendsten Bereiche des finanzielle Universums torpediert hatte. Deshalb liegt der größte Teil der Schulden immer noch bei den Banken - aber natürlich hat sich auch die Bankenlandschaft seither grundlegend verändert. Den größten Brocken der verbrieften Schulden (984 Millionen US-Dollar Mezzanine-Kredite und 515 Millionen Hypothekendarlehen) besitzt die Wachovia Bank NA, ein insolventes Kreditinstitut, das im vorigen Jahr nur durch eine Blitzfusion mit Wells Fargo gerettet werden konnte. Die Citigroup hatte gehofft, mit beträchtlicher Hilfe des amerikanischen Finanzministeriums billiger an das Paket zu kommen, und klagte, als Wells Fargo ein höheres Angebot machte. Doch die amerikanische Regierung und die amerikanischen Steuerzahler sind noch nicht aus dem Schneider: Die Zentralbank hat fast 900 Millionen Schulden von Extended Stay in ihren Büchern.

Blackstone veräußerte Extended Stay im richtigen Moment und strich dabei einen riesigen Gewinn ein. Aber die Zeiten haben sich geändert, was alle, mit Ausnahme der unter Gedächtnisverlust leidenden Finanzbranche, erwartet hatten. Und deshalb hat Blackstone jetzt ein beträchtlich größeres Problem mit Hilton - und das haben auch die Hilton-Arbeitnehmer.

Hilton bemüht sich laut Wall Street Journal um eine Umstrukturierung seiner Schulden - die immer noch ... 20 Milliarden US-Dollar betragen, was bedeutet, dass die Schulden seit der Übernahmen vor über zwei Jahren nicht verringert wurden. Das WSJ schreibt dazu: "Im Zuge der Verhandlungen über Hilton erwägt Blackstone, 800 MIllionen Dollar neues Kapital einzubringen, um Kredite mit Abschlag zurückzukaufen. Ferner sollen 2013 fällige Kredite bis 2016 verlängert werden und einige nachrangige Anleihen in Eigenkapital umgewandelt werden. Die 800 Millionen Dollar Zusatzkapital kämen von Fonds, die Blackstone verwaltet und die bereits in dieses Geschäft investiert haben" - in die größte Einzelinvestition von Blackstone.

Wie beim Zusammenbruch der wesentlich kleineren Extended Stay sitzt die Bundesregierung auf einem großen Packen dieser dubiosen Papiere. Als Folge der Regelung, in deren Rahmen die amerikanischen Steuerzahler die "Fusion" der vor dem Zusammenbruch stehenden Bear Stearns mit JP Morgan Chase finanzierten, besitzt die amerikanische Zentralbank 4 Milliarden US-Dollar der Schulden - und nach den Bedingungen dieser Regelung kann sie Blackstone nur schwer zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen.

Da also das Hotelgewerbe unter einer starken Rezession leidet, die Preise für gewerbliche Immobilien abstürzen und damit das gesamte finanzielle Kartenhaus, auf dem diese fiktiven Werte aufgebaut waren, in den Abrund reißen, Kreditgeber gegen Refinanzierungspläne protestieren(siehe Debt matters:what is at stake in the struggle to refinance portfolio companies), die ihre Forderungen schwächen, und die Rolle des US-amerikanischen Finanzministeriums eine große Unbekannte bleibt, werden die Hilton-Arbeitnehmer die größte Last des angerichteten Schadens zu tragen haben. Das WSJ zitierte den Blackstone-Präsidenten Tony James anlässlich einer kürzlich veranstalteten Telefonkonferenz zum Unternehmensergebnis mit den Worten: "Man kann die Geschichte wirksam umschreiben, wenn man die Kapitalstruktur eines Unternehmens ändert und seine Schuldenlast vermindert". Schulden können umstrukturiert werden, Geschichte nicht - die Umstrukturierung der Schulden bei Hilton wird unvermeidlich Attacken gegen die Beschäftigung und die Arbeitsbedingungen auf breitester Front bedeuten. Die Gewerkschaften müssen die Lehren aus der Vergangenheit ziehen.