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Reaktion auf Schliessung von Mondelez-Fabrik in Neuseeland zeugt vom verblassenden Glanz der 'Weltmarken''

28 November 2017 Feature
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Der Lack der 'Weltmarken' blättert ab, deren Hersteller Vertrieb und Produktion auf die Annahme gründeten, dass der Markenname allein stark genug ist, um jegliches Interesse dafür, wo oder unter welchen Bedingungen Waren produziert werden, zu ersticken. Bei diesem Szenario war die Konsumententreue garantiert. Die Erinnerung an die örtliche Produktion, die Gemeinschaften und die Arbeiter und Arbeiterinnen, die sie tragen, würde unter der Attacke der Power-Marken schwinden. Tatsache ist aber, dass die Konsumenten Fragen stellen.

Im Februar 2017 kündigte Mondelez die bevorstehende Schliessung seiner 80 Jahre alten Cadbury-Schokoladefabrik in Dunedin, Neuseeland, und den damit verbundenen Abbau von 350 Arbeitsplätzen an. Die Produktion soll in australische Betriebe verlagert werden, die für den neuseeländischen Markt produzieren. Eine Gemeinschaftsinitiative, die sich Save the Factory (Rettet die Fabrik) nennt, vesuchte zunächst, mit einem Kaufangebot für die Fabrik die Produktion in Dunedin zu halten. Der Versuch scheiterte, aber die Bemühungen um den Erhalt von guten Arbeitsplätzen und der Schokoladeherstellung in Dunedin gehen weiter.

In einem Artikel im britischen Guardian (auf Englisch) wird beschrieben, wie es weiterging. Save the Factory brachte durch Crowdfunding rasch genug Geld auf, "um sich mit dem Boutique-Schokoladehersteller Ocho in Dunedin zusammenzuschliessen und dessen Geschäft auszubauen mit dem Ziel, mehr Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen - einschliesslich ehemaliger Cadbury-Beschäftigter - einzustellen und die Tradition der Schokoladeherstellung in der ältesten Stadt Neuseelands zu wahren." Die Eigentümerin von Ocho, Liz Rowe, erklärte dem Guardian gegenüber " Es besteht ein starker Wille, die Produktion hier zu halten, die lokalen Arbeitsplätze zu erhalten."

Damit ist Mondelez noch nicht aus dem Schneider - der Konzern profitierte von grosszügigen Steuersubventionen, während er dem Betrieb in Dunedin Barmittel durch ein System entzog, das dem neuseeländischen Tochterunternehmen 'Dividenden' in Rechnung stellte - im Wesentlichen Lizenzgebühren auf die Marken - , die die Nettoeinnahmen des Unternehmens überstiegen. Die Regierungen sollten sich um die Erstattung der Mittel bemühen, mit denen der Unternehmensvandalismus hier und überall in der Welt finanziert wurde. Ocho hat aber das Gefühl erschlossen, dass Weltmarken auf Zerstörung angelegt waren, was durch die Resilienz und das Wiederaufleben der Unterstützung für die örtliche Produktion gezeigt worden ist.

Der neuseeländische IUL-Mitgliedsverband E Tū ist bemüht sicherzustellen, dass die geretteten Arbeitsplätze gute Arbeitsplätze sind und unter gewerkschaftlichem Schutz stehen. Örtliche Arbeitsplätze sind keineswegs zwangsläufig gewerkschaftliche Arbeitsplätze. Und die Bemühungen um den Erhalt von guten Arbeitsplätzen bei Mondelez sind Teil breiter angelegter internationaler Bemühungen, die zahlreiche Aktionen von IUL-Mitgliedsverbänden umfasst haben.

Eine Lehre muss aber daraus gezogen werden. "Die zunehmende Unterstützung", schreibt der Guardian, "zeigte, wie wichtig Schokolade und Arbeitsplätze für die Menschen in Dunedin sind." Die Vorliebe der Konsumenten für örtliche Hersteller kann nicht als hochfliegende Nostalgie abgetan werden. Sie beinhaltet lebendige Erinnerungen an örtliche Beschäftigung, starke örtliche Gemeinschaften, eine Steuerbasis zur Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen - und das Bestreben, sie zurückzuholen. Die Gewerkschaften können darauf als Grundlage für die Mobilisierung von wirksamer Unterstützung in ihrem Kampf für Arbeitsplätze aufbauen.