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Nestlé-Vertriebsmitarbeiter/innen in ganz Russland wurden in Räumen eingeschlossen und gezwungen, ihr Arbeitsverhältnis zu kündigen

12 July 2019 News
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Der Lebensmittelriese Nestlé präsentiert sich zunehmend als  ‘Wellness’-Konzern.  Der derzeitige Respekt für die Rechte seiner Beschäftigten  ist aber von “Wellness” weit entfernt.

Am 14. Mai wurden alle Vertriebsmitarbeiter/innen von Nestlé Russland – rund 300 Beschäftigte - in die regionalen Zentren des Konzerns in 10 Städten in Russland unter dem Vorwand eingeladen, “Geschäftsergebnisse zu erörtern”. Die Türen der Hallen mit allen versammelten Beschäftigten wurden verschlossen, und an den Ausgängen wurden Sicherheitskräfte postiert. Den Beschäftigten wurde mitgeteilt, dass ihre Arbeitsplätze ausgelagert würden und sie zwei Möglichkeiten hätten – ein Papier über Personalabbau zu unterschreiben wobei sie akzeptieren dass ihre Arbeitsstelle innerhalb einiger Monaten, in der Regel bis zum 31. August 2019, verschwinden würde, oder unverzüglich “im Einvernehmen der Parteien” zu kündigen.  Sie durften den Raum nicht verlassen – nicht einmal, um eine Toilette aufzusuchen -, bis sie unterschrieben hatten. Telefongespräche, das Verschicken von SMS und Fotos waren verboten. Am Eingang jedes Zentrums stand ständig ein Notfallkrankenwagen bereit. 

Seit November 2018 hatte sich die Gewerkschaft der Vertriebsmitarbeiter/innen  - ein Mitglied der der IUL angeschlossenen AIWUR – um ein Gespräch mit dem Nestlé-Management bemüht, nachdem Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Umstrukturierung kursierten. Die Manager lehnten Verhandlungen ab und behaupteten, dass kein Abbau des Vertriebspersonals geplant sei.

Unter diejenigen, die eine Entlassung riskieren sind Beschäftigte mit grossen Familien, schwangere Frauen, junge Eltern, Behinderte, Beschäftigte mit behinderten Kindern, die alle einen gesetzlichen Kündigungsschutz geniessen.

Die Gewerkschaft verlangt mit Unterstützung der IUL, dass der Konzern unverzüglich und bedingungslos alle Massnahmen im Zusammenhang mit der Umstrukturierung, die auf Zwangskündigungen beruht, stoppt. Die unter Zwang erwirkten Unterschriften müssen als nichtig angesehen werden, und der Konzern muss sich formell entschuldigen und mit der Gewerkschaft Verhandlungen in gutem Glauben aufnehmen.

Gewerkschaftsmitglieder stehen Streikposten und demonstrieren vor Nestlé-Büros und –Betrieben in ganz Russland – auf dem Foto unten vor der Zentrale des Konzerns in Moskau. Gespräche zwischen der Gewerkschaft und dem Management in Russland haben nicht zu einer Regelung der grundlegenden Fragen geführt.


Streikposten der Gewerkschaft vor der Zentrale von Nestlé Russland in Moskau