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Tödlicher Arbeitsunfall bei indischem Zuckerlieferanten von PepsiCo

23 October 2014 News
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Bei einem Arbeitsunfall in der Zuckerfabrik von Olam International in Kolhapur (Maharashtra), Indien, am 8. August wurde ein Arbeiter von herab stürzenden Zuckersäcken erschlagen; zwei andere Arbeiter wurden schwer verletzt. Laut der Gewerkschaft, die die Beschäftigten des Betriebs vertritt, kommt es in der Fabrik seit eh und je zu Arbeitsunfällen. Olam, ein in Singapur ansässiger transnationaler Großkonzern für die Verarbeitung und den Handel mit Agrarprodukten, erhielt jedoch erst im Vorjahr einen Kredit von 120 Millionen USD von der IFC, der für die Kreditvergabe an den privaten Sektor zuständigen Organisation der Weltbank, zu deren Kreditvergabekriterien ausdrücklich Garantien in den Bereichen Arbeits-, Sozial- und Umweltschutz gehören.

Die IFC hielt früher eine Kapitalbeteiligung an Olam. Als jedoch 2007 Gerüchte auftauchten, das Unternehmen sei in illegale Abholzungen und Umweltzerstörungen in der Demokratischen Republik Kongo involviert, veräußerte sie ihre Anteile wieder. Nun ist sie wieder da – diesmal als Kreditgeberin. Ein Teil des IFC-Darlehens war eigens dafür vorgesehen, die Zuckerbetriebe Olams durch eine öffentlich-private Partnerschaft mit der IFC, Solidaridad und dem Bonsucro-Zertifizierungsprogramm, das ebenfalls Arbeitsschutz-Standards vorschreibt, auf den neuesten Stand zu bringen. Doch bereits im Zuge der Bauarbeiten wurden Wanderarbeitnehmer verletzt und die Gewerkschaft machte schon damals auf die Gefahren in der Fabrik aufmerksam. Nichts geschah und jetzt ist ein Arbeiter tot.

Die Olam-Fabriken beliefern in Indien große Lebensmittelkonzerne, darunter auch PepsiCo. Der Verhaltenskodex von PepsiCo für seine Zulieferer „erwartet“ von ihnen, dass sie „sichere und gesunde Arbeitsbedingungen bereitstellen“. Als die Gewerkschaft ihre Bedenken hinsichtlich der Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter zur Sprache brachte, wurde ihr mitgeteilt, dass der Betriebsleiter gekündigt hätte und es niemanden gebe, der die Verantwortung übernehmen würde. Ist das von der IFC und Bonsucro zertifizierte Management ein Phantom? Und genügt ein solches Arrangement schon, um die „Erwartungen“ von PepsiCo zu erfüllen?

PepsiCo behauptet, dass diverse „Überprüfungen“ seiner Lagerhäuser in Westbengalen keine Menschenrechtsverletzungen feststellen konnten; dort waren die Arbeiter gekündigt worden, weil sie eine Gewerkschaft gegründet hatten, wobei man ihnen danach mitteilte, sie könnten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, sofern sie bereit wären, Falschaussagen zu unterschreiben, sich zu verpflichten, dass sie nie wieder einer Gewerkschaft beitreten würden, und bei ihrer Rückkehr in den Betrieb ihre zerfetzten Gewerkschaftsausweise mit Füßen zu treten.

Nach den Bestimmungen der OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen und den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte stellt die Zerschlagung der Gewerkschaft bei seinen indischen Zulieferern den Tatbestand einer Menschenrechtsverletzung durch PepsiCo dar. Die Lieferkette des Unternehmens hat sich nun zusätzlicher Verstöße schuldig gemacht. Sollen diese jetzt auch noch durch die gefährliche „Partnerschaft“ von Weltbank und Bonsucro legitimiert werden?