Home

Noch mehr Versprechen, die Kraft nicht gehalten hat – dieses Mal in Spanien

20 April 2011 News
Printer-friendly version

Rund 160 spanische Arbeitnehmer/innen, die Kraft-Markenprodukte herstellen, laufen Gefahr, sich in der immer länger werdenden Schlange der arbeitslosen ehemaligen Kraft-Beschäftigten wiederzufinden.

Im Jahr 2008 kündigte Kraft die Schliessung der Fabrik El Caserio in Mahon auf der Insel Menorca (Spanien) an, eine Schliessung, die laut der der IUL angeschlossenen spanischen Lebensmittelarbeiter/innengewerkschaft, Agroalimentaria CC.OO, nicht nur zum Verlust der Arbeitsplätze der 163 Beschäftigten der Fabrik führen würde, sondern für die Insel Menorca auch wirtschaftliche und ökologische Folgen haben würde. Dagegen würden der Verkauf der Fabrik und die Aufrechterhaltung der Produktion Arbeitsplätze, die Existenzgrundlagen von rund 300 Familien, Milchviehbetriebe und ländliche Beschäftigung und Traditionen erhalten.

Kraft behauptete aber steif und fest, dass sich kein solider Käufer finden lasse. Der mögliche Verkauf der Fabrik erschien aber weniger attraktiv, nachdem die Regierung die Betriebsleitung davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass die Bedingungen für eine Genehmigung der Verfahren für die Freisetzung der Beschäftigten in Mahon nicht erfüllt worden seien.

Nach einer energischen Kampagne, die von der Gewerkschaft angeführt und von der Regierung und der Zivilgesellschaft (einschliesslich der obigen Milcherzeuger) unterstützt wurde, fand Kraft schliesslich doch einen Käufer: die Nueva Rumasa-Gruppe, ein in Familienbesitz befindliches Konglomerat mit Beteiligungen im Lebensmittel-, Getränke-, Einzelhandel- und Hotelsektor, das nach Aussage der Kraft-Betriebsleitung einen zukunftsfähigen Geschäftsplan erstellt hatte.

Die Eigentumsübertragung erfolgte am 1. Juli 2009. Am selben Tag trat auch eine zwischen Kraft und dem neuen Eigentümer, Queseria Menorquina-Nueva Rumasa, ausgehandelte Ko-Produktionsvereinbarung in Kraft.

Mit diesem Schachzug umging Kraft die Zahlung von Abfindungen an die Beschäftigten , während es sich gleichzeitig stetige Einnahmen aus dem Verkauf seiner Markenerzeugnisse sicherte.

Es hat jetzt den Anschein, dass Kraft bei der Suche nach einem soliden Käufer entweder grob fahrlässig gehandelt hat und nicht mit der nötigen Sorgfalt vorgegangen ist oder aber gegenüber seinen Beschäftigten und den Menschen in Menorca äusserst unehrlich gewesen ist, da Nueva Rumasa jetzt zahlungsunfähig ist und gegen das Unternehmen wegen Betrugs ermittelt wird.

Siehe UGT und CC.OO kämpfen zusammen für die Rechte ihrer Mitglieder bei bankrottem Lebensmittelunternehmen (Englisch)

Weniger als ein Jahr nach der Veräusserung des Unternehmens fingen die Schwierigkeiten mit Verzögerungen bei den Lohnzahlungen und den Zahlungen an die Lieferanten an. Im Januar 2011 begannen sich die Zahlungsverzögerungen in den Unternehmen der Gruppe auf bis zu zwei Monate zu summieren. Mitte März hatte die Belegschaft der Queseria Menorquina eine Woche „Urlaub“, da die Lieferanten die Lieferung von Rohstoffen einstellten. Nueva Rumasa beantragte Gläubigerschutz für seinen menorquinischen Betrieb, aber am 5. April schritt das Gericht ein und übernahm die Verwaltung des Unternehmens.

Nueva Rumasa hat den eindeutigen Beweis geliefert, dass es nie einen zukunftsfähigen Geschäftsplan für Queseria Menorquina hatte. Die Fabrik kann den Betrieb mangels Rohstoffen nicht weiterführen. Die Arbeiter/innen werden nicht bezahlt und drohen ihren Arbeitsplatz und jeglichen sozialen Schutz zu verlieren.

Was hat Kraft mit all dem zu tun? Kraft Foods hat die ohnehin schon unsichere Zukunft der Fabrik und ihrer Belegschaft durch die Stornierung aller neuen Aufträge mit der Begründung, Nueva Rumasa halte sich nicht an die Ko-Produktionsvereinbarung, weiter belastet. Rund 40% der Produktion der Fabrik entfällt auf Kraft Foods.

Die IUL schliesst sich der Aufforderung der spanischen Lebensmittelarbeiter/innengewerkschaft, Agroalimentaria CC.OO, an Kraft Foods an, einige unbequeme Fragen hinsichtlich seiner eigenen Nichteinhaltung von eingegangenen Verpflichtungen zu beantworten. Wusste Kraft wirklich nichts von den Zweifeln an der Kreditwürdigkeit von Nueva Rumasa, die bereits Monate vor dem Verkauf in spanischen Finanzkreisen kursierten? Oder war das Kraft einfach egal und erzählte es seiner Belegschaft, der Gemeinde Mahon und den staatlichen Stellen unbekümmert, dass der Käufer der historischen Fabrik El Caserio einen zukunftsfähigen Geschäftsplan habe?

Wieder einmal scheint Kraft die gleiche aalglatte Taktik wie im Fall der Cadbury-Fabrik in Somerdale im VK anzuwenden, die geschlossen werden sollte, bevor Kraft auf der Bildfläche erschien. Indem Kraft vorgab, dass es in der Lage wäre, diese Fabrik weiterzuführen, weckte es Hoffnungen und Erwartungen – und erhielt die Genehmigung für die Übernahme. Aber kaum war dies geschehen, da „gestand“ Kraft , dass es nicht im Besitz aller Fakten gewesen sei, dass die Fabrik, die in Polen gebaut werde, um die Produktion von Somerdale zu übernehmen, fast fertig sei und dass es daher kein Zurück mehr gebe.

In Südafrika, wo Kraft die behördliche Zustimmung zum Erwerb von Cadbury mit der Behauptung erlangt hatte, dass dies keinen grösseren Beschäftigungsabbau zur Folge haben würde, plant das Unternehmen die Streichung von bis zu 400 Stellen im Cadbury-Betrieb in Port Elizabeth.

Die spanischen Beschäftigten und die Beschäftigten in Südafrika und im VK fordern jetzt Irene Rosenfeld gemeinsam auf, ihre Rechte zu achten und zu schützen. Agroalimentaria CC.OO und die IUL werden sich gemeinsam um ein Treffen bemühen, um die Zukunft des Betriebs und der Beschäftigten zu erörtern.